Digitale Impulse: Drei Fragen an aus dem Cisco Newsletter

PRESSE - 04/12/2017

3 Fragen an… Tijen Onaran

Tijen Onaran ist Gründerin von „Women in Digital“ (WIDI). Aus dem Berliner Stammtisch ist inzwischen ein Netzwerk mit mehr als 20.000 Entscheiderinnen aus Politik, Unternehmen und Verbänden geworden, das die Vielfalt der Digitalbranche abbildet.
Was können Frauen besser zum Erfolg der Digitalisierung beitragen als Männer?
Ich bin kein Fan von „Männer sind so und Frauen anders“-Vergleichen. Was uns weiterbringt ist, dass Diversität schlichtweg ein Wettbewerbsvorteil ist. Wer heute mithalten will, muss die Spielregeln von morgen begriffen haben. Dazu zählt auch, dass Innovation vor allem dann entsteht, wenn unterschiedliche Talente aufeinandertreffen – ob Generationenmix, Internationalität oder Diversität der Geschlechter; Unternehmen sind auf das Know-How verschiedenster Köpfe angewiesen. Women in Digital ist ein spannender Talentpool dieser digitalen Welt.

Angela Merkel hat sich auf der CeBIT vom langsamen Digitalisierungstempo in Deutschland genervt gezeigt. Wie können wir schneller werden?
Indem wir die German Angst ablegen. Alles was nicht greifbar ist, ist angstbehaftet. Digitalisierung ist ein weites Feld – für den einen Social Media-Kanäle, für den anderen neue Geschäftsprozesse. Darum haben verschiedene Akteure unterschiedliches Tempo bei der Digitalisierung. Der Schlüssel liegt überall in der Bildung: hier müssen wir ansetzen – und zwar in allen Generationen. Dann wird Digitalisierung Selbstverständlichkeit und es geht schneller.

Die „Women in Digital“ sind in vielen Unternehmen aktiv: Wie siehst Du den Stand der Digitalisierung in Deutschland?
Das Glas ist halb voll. Ich glaube, dass die Kommunikation in Zeiten von Digitalisierung der Dreh- und Angelpunkt für gute Unternehmenskultur ist. Dazu müssen die Unternehmen Räume zum Austausch schaffen, im Netz und auf Veranstaltungen präsent sein und Führungskräften sowie Mitarbeitern gleichermaßen die Chance geben, Freiheiten zu leben. Wir haben in Deutschland immer noch eine starke Präsenzkultur, die der Agilität des Digitalen im Wege steht. Je digitaler wir werden, desto mehr braucht es auch Vorbilder, die nahbar und greifbar sind – starre Hierarchien sind in der zukünftigen Arbeitswelt fehl am Platz.